Risiken

"Dummheit ist nicht wenig wissen, auch nicht wenig wissen wollen. Dummheit ist glauben, genug zu wissen"

(Konfuzius)

No risk, no fun? Lieber nicht!

Ein Schwangerschaftsdiabetes kann durchaus gefährlich werden - insoweit stimmen wir dem Gemeinsamen Bundesausschuss, den derzeit geltenden Mutterschaftsrichtlinien und behandelnden Ärzt:innen (also Befürwortern des oGTT) durchaus zu. Einen GDM zu behandeln ist demnach unerlässlich - jedoch nicht der oGTT!
Denn leider ist eine gestellte Diagnose mittels oGTT noch lange keine Garantie für eine angemessene medizinische Behandlung! Insbesondere die törrichte Haltung behandelnder Ärzt:innen, sich voll und ganz auf das Testergebnis verlassen zu können, birgt verschiedene Gefahren. Nicht nur für Sie, sondern auch für Ihr ungeborenes Kind!

(Falsch-)positiv?  Damit müssten Sie rechnen!

Wenn es durch einen falsch-positiven oGTT zu einer Fehldiagnose kommt, aber auch bei einem korrekt diagnostizierten Schwangerschaftsdiabetes erwarten Sie diese drei Risiken:

Überbehandlung

Sobald die Diagnose GDM gestellt wurde, sind behandelnde Ärzt:innen nicht mehr von dieser abzubringen. Im besten Fall haben Sie Ihren Blutzucker bald im Griff und Ihr:e Diabetolog:in ist trotz allem zufrieden. Doch Vorsicht! Es gibt sie, diese Ärzt:innen, die nach (falsch-)positivem oGTT der Auffassung sind, Sie unbedingt und um jeden Preis behandeln zu müssen. Der Gedanke daran, zu welch gravierenden Problemen ein Schwangerschaftsdiabetes womöglich bei Ihnen führen könnte und dafür die Verantwortung tragen zu müssen, scheint diese behandelnden Ärzt:innen um den Verstand zu bringen. Also werden Sie behandelt - und zwar lieber zu viel als zu wenig, selbst wenn Ihnen dies mehr schadet als nützt. Sämtliche Risiken, die eine solche Überbehandlung für Sie mit sich bringt, werden in einem solchen Fall hinter dem Sicherheitsbedürfnis dieser Ärzt:innen zurückstehen.

Stigmatisierung

Durch die übereilte Diagnosestellung wird Ihnen nach einem (falsch-)positiven oGTT sofort ein Stempel aufgedrückt: Fortan sind Sie nurnoch "Die mit dem Schwangerschaftsdiabetes". Mal abgesehen davon, dass es unheimlich lästig ist, ständig auf kritische Nachfragen der Ärzt:innen, ob denn auch alles in Ordnung ist, reagieren zu müssen - man wird sich kaum noch für andere Faktoren Ihrer Schwangerschaft interessieren. Die Diagnose GDM in Ihrem Mutterpass springt sofort ins Auge - andere Beschwerden, die Sie womöglich haben, sind für Ärzt:innen unter Umständen weniger offensichtlich. Hier laufen Sie Gefahr, dass Sie für Aspekte Ihrer Schwangerschaft, die Ihnen weit mehr Sorgen bereiten als ein längst kontrollierter Blutzucker, weniger Aufmerksamkeit bekommen, weil Ihr behandelnder Arzt sich auf Ihren (angeblichen) GDM hyperfokussiert.

Vorbelastung

Schwangeren, die (angeblich) einen GDM haben, wird gerne erzählt, nach der Schwangerschaft sei alles vorbei und wieder normal. Doch dem ist nicht so! Vorausgesetzt der oGTT fiel zurecht positiv aus, normalisiert sich Ihr Blutzucker nach der Geburt in der Regel tatsächlich wieder. Nichtdestotrotz wird die Diagnose GDM Sie Ihr ganzes Leben lang weiter begleiten und belasten. Insbesondere bei falsch-positivem oGTT-Ergebnis ist Vorsicht geboten: Es wird nämlich pauschal davon ausgegangen, dass Sie in jeder weiteren Schwangerschaft "wieder" einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln werden. Darüber hinaus wird Ihnen das "Risiko" nachgesagt, zu statistisch gesehen 50% in Ihrem Leben einen tatsächlichen, manifesten Diabetes zu entwickeln. Sie gelten also als vorbelastet. Lebenslang. Und tragen weiter sämtliche Risiken für Überbehandlungen - für immer.

(Falsch-)negativ?  Das käme trotzdem auf Sie zu!

Kurz gesagt: Ein negativer oGTT - ob dieses Ergebnis nun so stimmt oder nicht - führt dazu, dass Sie möglicherweise die selben Risiken tragen wie bei einem unentdeckten GDM! 

Entwarnung

Es klingt erstmal toll: Sie lassen den oGTT durchführen, dieser fällt bestenfalls negativ aus und alles ist gut - so hätte sich das Thema GDM für Sie ganz schnell erledigt. Wir hingegen können Sie nur davor warnen, sich auf dieses Vorgehen behandelnder Ärzt:innen einzulassen! Denn zum einen können Sie unter Umständen leider nie wissen, ob es sich nicht doch um eine Fehldiagnose handelt. Zum anderen ist es darüber hinaus so, dass Sie durchaus auch nach Durchführung des oGTT noch zu einem späteren Zeitpunkt einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln können! So kann es sein, dass Ihr negatives Testergebnis zwar korrekt wäre, im Nachhinein jedoch ohne Vorwarnung seine Gültigkeit verlieren würde. Da an einem oGTT-Ergebnis jedoch in der Regel unerbittlich festgehalten wird, bliebe dies unbemerkt und die behandelnden Ärzt:innen würden nicht auf den GDM reagieren.

Fehleinschätzung

Sobald behandelnden Ärzt:innen ein negativer oGTT vorliegt, wird die Option eines Schwangerschaftsdiabetes meist nicht länger in Betracht gezogen. Zwar haben Sie Anspruch auf weitere Untersuchungen bei nachträglichen Auffälligkeiten - dazu müssen diese von den behandelnden Ärzt:innen jedoch erstmal erkannt und richtig eingeordnet werden. Durch eine Stellungnahme zum oGTT durch einen Verband wurde eine Geschichte bekannt, die aufzeigt, wie gefährlich und fahrlässig die Haltung behandelnder Ärzt:innen ist: Bei einer Schwangeren mit negativem oGTT wurde später ein auffällig großes Kind festgestellt, was auf einen GDM hindeuten kann. Ihre Gynäkologin schloss diese Möglichkeit jedoch fälschlich(!) aus. Nachdem die werdende Mutter später keine Kindsbewegungen mehr spürte, kam das 5900g schwere Baby zur Welt und starb.

Schädigung

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes trotz (negativem) oGTT nicht erkannt, kann es zu den selben Komplikationen kommen wie bei einem unentdeckten GDM: So besteht zum Beispiel die erhöhte Gefahr einer Schulterdystokie, bei der das Kind bei der Entbindung im Geburtskanal stecken bleibt. Auch das Risiko für die sogenannte Präeklampsie steigt - eine Schwangerschaftserkrankung, bei der vermehrt Eiweiß über den Urin ausgeschieden wird, der Blutdruck steigt und es zu Wassereinlagerungen kommt. Beides kann Mutter und Kind schaden, was die Wichtigkeit der Behandlung eines GDM unterstreicht. Wird jedoch der oGTT durchgeführt und es kommt zu einer Fehldiagnose, ist auch eine adäquate Behandlung nicht mehr gewährleistet. Dies zeigt, dass ein negatives Testergebnis allein Sie auch nicht von den Gefahren eines GDM bewahren kann.