Alternative

"Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen."

(Georg Friedrich Händel)

Unsere Erkenntnisse, unsere Alternative

Wir von ohne-ogtt.de raten also dazu, den oGTT nicht durchführen zu lassen. Da stellt sich natürlich berechtigterweise die Frage: Was raten wir alternativ? Wie sollen Schwangere vorgehen, die den oGTT verweigern möchten, aber dennoch einen GDM fürchten? Was können diese Frauen tun, um einen möglichen Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen, einzuordnen und zu behandeln? Keine Angst - wir unterstützen Sie dabei!
Ebenso wie die Risiken und Gründe, welche gegen die Durchführung des oGTT sprechen, basiert auch unsere Empfehlung zum alternativen Vorgehen auf unseren persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen - und ist dabei keineswegs an den Haaren herbeigezogen! Ganz im Gegenteil orientiert sich diese sogar sehr stark am gängigen Vorgehen zur Behandlung eines diagnostizierten GDM

Zuallererst: Keine Panik!

Ein schwerwiegender GDM ist relativ selten
Man geht davon aus, das ca. 5% aller werdenden Mütter an einem Schwangerschaftsdiabetes erkranken. Bei ca. 80% dieser betroffenen Frauen reicht eine Ernährungsumstellung aus, um den GDM unter Kontrolle zu halten. Dies bedeutet, dass wenn von 100 Schwangeren 5 einen GDM bekommen, bei 4 dieser 5 Frauen eine Ernährungstherapie ausreicht und "nur" 1 Schwangere eine Insulintherapie braucht. Die Chance ist also recht hoch, dass Sie (zu 95%!) gesund sind oder einen Schwangerschaftsdiabetes ohne viele Hilfsmittel in den Griff bekommen können. Insgesamt satte 99% Wahrscheinlichkeit sprechen dafür, dass wenn Sie sich in der Schwangerschaft gesund ernähren, Sie sich keine Sorgen machen müssen!

Keine Diagnose ist nicht von Nachteil
Kein oGTT heißt: Keine Diagnose. Man wird daher vielleicht versuchen, Sie von der Verweigerung des oGTT abzubringen, indem man Sie über vermeintliche Risiken aufklären möchte, die eine nicht gestellte Diagnose mit sich bringt. Es besteht jedoch keine erhöhte Gefahr, nur weil keine Diagnose gestellt wird! Erhöhte Gefahr besteht dann, wenn eine betroffene Schwangere keine Maßnahmen ergreift, um ihren Blutzuckerspiegel innerhalb eines gewissen Toleranzbereichs zu halten. Ob das nun als ausgewiesener GDM betitelt wird oder nicht, ist unserer Ansicht nach zweitrangig. Wichtig ist in erster Linie, dass es Ihnen und Ihrem ungeborenen Kind gut geht! Dafür kann der oGTT per se nicht sorgen - das können nur Sie selbst!

Die Alternative zum oGTT: Kaufen Sie sich ein Blutzucker-Messgerät!

Ja, es ist so einfach! Aber warum?
Wenn Sie den oGTT durchführen lassen und dieser fällt positiv aus, erhalten Sie die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes und eine Überweisung zu eine:r Diabetolog:in. Dort geschieht unseren übereinstimmenden Erfahrungen nach Folgendes:

  • Sie erhalten eine Ernährungsberatung, an deren Vorgaben Sie sich fortan halten sollen.
  • Sie erhalten ein Blutzucker-Messgerät, mit welchem Sie künftig im Alltag Ihre Werte bestimmen sollen.


Die Ernährungsberatung
...richtet sich dabei nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Vollkornprodukte, Obst in Maßen, wenig Süßes - für Schwangere gelten keine komplizierteren oder erschwerteren Bedingungen. Auch wenn es um das Thema Schwangerschaftsdiabetes geht behält dies seine Gültigkeit. Sie müssen über die Regeln der DGE hinaus überhaupt nichts Besonderes beachten!

Das Blutzucker-Messgerät
...ist der Dreh- und Angelpunkt der Therapie eines GDM.  Um zu wissen, wie viele Kohlenhydrate Sie essen können, ohne dass Ihr Blutzuckerspiegel übermäßig ansteigt, müssen Sie diesen Mithilfe des Geräts ermitteln. Fallen Ihre Werte dabei höher aus als empfohlen, sollten Sie Ihre Kohlenhydratzufuhr einschränken. Liegen Ihre Werte hingegen eher im unteren Toleranzbereich, können Sie die Ernährungsvorgaben etwas lockern. In der Regel finden Schwangere schnell heraus, wie viel sie wovon essen können, sodass die Werte stimmen. Nur wenn der Blutzuckerspiegel sich allen Bemühungen zum Trotz nicht in einen bestimmten Rahmen einpendeln will, sollte ein:e Diabetolog:in  eine Insulintherapie verordnen.

Dieser Verlauf enthält eine ebenso klare wie wichtige Botschaft: Solange Ihre Blutzuckerwerte, die Sie mithilfe eines Blutzucker-Messgerätes im Alltag ganz leicht ermitteln können, in Ordnung sind, muss nichts weiter unternommen werden! 

Zusammenfassend lautet unsere Empfehlung daher: 

Sie können den oGTT getrost überspringen, sich die Diagnosestellung sparen und auf eine:n Diabetolog:in verzichten. Alles, was Sie brauchen, ist neben ein paar Informationen (siehe weiter unten!) ein Blutzucker-Messgerät (inkl. Nadeln und Teststreifen)! Ernähren Sie sich nach den Regeln der DGE und messen Sie gelegentlich stichprobenartig Ihren Blutzucker. Ist dieser stets im Rahmen, gehören Sie zu den 99% der Frauen, die sich keine Sorgen machen und keine weiteren Maßnahmen ergreifen müssen. Nur wenn Sie Ihren Blutzucker nicht durch Ihre Ernährungsweise kontrollieren können, sprechen Sie bitte unbedingt mit eine:r Ärzt:in!

Zahlen, Daten, Fakten - Weiterführende Informationen

Damit Sie Ihre Blutzuckerwerte richtig einordnen können, stellen wir Ihnen dazu hier auf ohne-ogtt.de Informationen eines Diabetologen zur Verfügung:

Der richtige Zeitpunkt:
Wenn Sie Ihren Blutzucker messen, sollten Sie dies eine Stunde nach dem Essen tun. Ob Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot - die Zielwerte bleiben die selben. Zudem sollten Sie auch gelegentlich Ihren Nüchternblutzucker erfassen. Dieser wird morgens, bevor sie etwas gegessen haben, gemessen. Der Zielwert wird hier, nach der langen Essenspause über Nacht, niedriger angesetzt.

Die richtigen Werte:
Wie hoch die Blutzuckerwerte ausfallen dürfen, hängt von der Perzentile des fetalen Abdominalumfangs ab. Oder vereinfacht ausgedrückt: Vom Bauchumfang Ihres ungeborenen Kindes. Dieser kann bei einer Ultraschall-Untersuchung ermittelt werden.

Wir empfehlen Ihnen daher, häufigere Ultraschalluntersuchungen durchführen zu lassen als nur die drei, die standardmäßig vorgesehen sind, bestensfalls bei jeder Vorsorgeuntersuchung bei der Gynäkolog:in. So sind Sie, nicht nur den Bauchumfang betreffend, immer auf dem aktuellen Stand der Entwicklung Ihres Kindes.

Fragen Sie Ihre:n Gynäkolog:in, in welcher Perzentile sich der Abdominalumfang befindet, er:sie wird Ihnen sicher gerne darüber Auskunft geben.

So legen Sie Ihre Blutzuckerwerte anhand der Perzentile fest:
- Unter der 10. Perzentile (Kind sehr/zu klein):

  • Nüchternblutzucker: unter 105 mg/dl
  • 1h nach einer Mahlzeit: unter 160 mg/dl

- Zwischen der 10.-75. Penzentile (Kind normal groß):

  • Nüchternblutzucker: unter 95 mg/dl
  • 1h nach einer Mahlzeit: unter 140 mg/dl

- Über der 75. Perzentile (Kind sehr/zu groß):

  • Nüchternblutzucker: unter 85 mg/dl
  • 1h nach einer Mahlzeit: unter 120 mg/dl


Die richtige Häufigkeit:
Frauen mit GDM werden dazu angehalten, jeden Tag den Nüchternblutzucker und nach jeder der drei Hauptmahlzeiten zu messen, also viermal täglich.
Wir von ohne-ogtt.de empfehlen Ihnen zunächst eine Messung pro Woche. Sobald diese einmal zu hoch ausfällt, gehen Sie auf mehrere Messung über und steigern oder reduzieren diese nach Bedarf. Unser wichtigster Tipp: Messen Sie grundsätzlich so oft, wie Sie (und kein:e andere:r!) sich dabei wohl und sicher fühlen!

Und zum Schluss noch einmal: Keine Panik!

  • Machen Sie sich stets bewusst: Selbst wenn Sie den oGTT durchführen lassen würden, selbst wenn Ihnen die Diagnose GDM gestellt werden würde und selbst wenn Sie deshalb in diabetologische Behandlung müssten - es würde exakt dasselbe passieren!


  • Wenden Sie sich bei Fragen oder Unsicherheiten auch gerne an uns - es wird uns eine Freude sein, Ihnen weiterzuhelfen! (s. Impressum)
  • Wichtig auch zu wissen: Ein:e Ärzt:in MUSS Ihnen helfen, wenn Sie Auffälligkeiten beim Blutzucker-Messen feststellen! Auch ohne oGTT haben Sie bei einem begründeten Verdacht Anspruch auf eine Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes - dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss uns von ohne-ogtt.de schriftlich bestätigt! Wird Ihnen dies nicht zugestanden, wenden Sie sich bitte unbedingt an eine:n Rechtsanwält:in!